Freitag, 24 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

„Drang nach wirtschaftlichem Fortschritt um jeden Preis gefährdet unsere ökologischen Grundlagen“

UNIC/178

Erklärung von UNEP-Exekutivdirektor Klaus Töpfer zum Weltumwelttag, 5. Juni 1999

NAIROBI, 5. Juni 1999 – Jedes Jahr am 5. Juni begehen wir den Weltumwelttag. Dies ist ein Anlaß, zu dem Menschen in aller Welt zusammenfinden, die sich mit Herz und Verstand der Aufgabe verschrieben haben, verantwortungsvolle Treuhänder des Planeten Erde zu sein. Dies ist ein Tag, an dem wir das faszinierende Netzwerk des Lebens auf dieser Erde würdigen und über die Verwaltung unseres Planeten und seine Zukunft nachdenken.

Das Thema des Weltumwelttages 1999 lautet “Retter unsere Erde - Rettet unsere Zukunft!“ und in diesem Jahr hat die Begehung dieses Tages noch eine besondere Bedeutung. Dies ist der letzte Weltumwelttag des zweiten Jahrtausends, bevor wir mit neuen Hoffnungen für unsere gemeinsame Zukunft das 21. Jahrhundert beginnen.

In diesem Jahrhundert haben wir den Beginn erfolgreicher internationaler Kooperationen im Kampf gegen die schädlichen ökologischen und sozialen Auswirkungen des Wirtschaftswachstum miterlebt. Wir haben globale und rechtlich bindende Konventionen erarbeitet und umweltfreundliche Technologien gefördert.

Wir haben das Glück, in einer Zeit atemberaubenden Wandels und scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten zu leben. Es entsteht eine Weltgemeinschaft, die immer stärker durch die technologische Revolution, wirtschaftliche Bindungen und größere Wechselwirkungen geeint wird. Aber wir müssen uns vor Augen halten, daß unsere moderne Zivilisation ebenso wie ihre Vorgänger vollkommen von den ökologischen Grundlagen abhängt. Diese Grundlagen werden durch unseren Drang nach wirtschaftlichem Fortschritt um jeden Preis gefährdet. In allen wichtigen Bereichen beschleunigen sich Trends, die unsere Lebensqualität maßgeblich beeinflußen.

Im Laufe des kommenden Jahrzehntes wird die Weltbevölkerung um rund 800 Millionen Menschen anwachsen. Die Produktion von Nahrungsmitteln wird sich nahezu verdoppeln müssen, um mit dem durch dieses Wachstums gestiegenen Bedarf Schritt zu halten. Zu Beginn dieses Jahrhunderts lebte nur eine von zehn Personen in der Stadt. Damals gab es vielleicht ein Dutzend Städte mit einer Million oder mehr Einwohnern. Im Jahr 2010 werden in jeder der zwanzig größten Städte auf der Welt mehr als zehn Millionen Menschen wohnen. Diese Menschen zu ernähren, zu kleiden und ihnen eine tägliche Grundversorgung zu bieten, wird eine noch nie dagewesene Herausforderung darstellen.

Es wird erwartet, daß der Wasserverbrauch alle zehn Jahre um 10 bis 20 Prozent steigen wird. In Entwicklungsländern hat nur die Hälfte der Menschen Zugang zu Trinkwasser. In Indu-strieländern wie in Enwicklungsländern werden die Oberflächen- und Grundwasservorräte durch die Abwässer der Gemeinden und der Industrie sowie durch Giftstoffe verschmutzt. Weltweit sterben jährlich mehr als 10 Millionen Menschen an den Folgen von Krankheiten, die mit dem Wasser übertragen werden.

Es wird erwartet, daß der weltweite Energieverbrauch in hohem Maße ansteigen wird. Bis zum Jahr 2010 sollen sich die Kohlendioxid-Emissionen durch Energieerzeugung und –verbrauch um 30 bis 40 Prozent erhöhen. Krankheiten, die in wärmerem Klima besonders gut gedeihen, wie z.B. das Dengue-Fieber, Malaria, Gelbfieber, Hirnhautentzündung und Cholera, werden sich wahrscheinlich aufgrund der höheren Anzahl von Krankheitserregern ausbreiten. Bis zum Jahr 2100 könnte es jedes Jahr 50 bis 80 Millionen zusätzliche Malariafälle geben.

Als eine Folge des weltweiten Klimawandels werden Phänomene wie beispielsweise “El Niño“, der zu Katastrophen wie dem Wirbelsturm “Mitch“ beigetragen hat, immer wieder auftreten. Und sie werden Verwüstung und Elend hinterlassen, wenn wir uns nicht vorbereiten.

Jedes Jahr werden 11 Millionen Hektar tropische Regenwälder zerstört, in denen mindestens zwei Drittel aller Pflanzen- und Tierarten leben. Die Ausrottung von Arten vollzieht sich 5000mal schneller als normalerweise. Dies bedeutet, daß 25 Prozent aller Arten in den nächsten 30 Jahren verschwinden werden.

Gefährliche und giftige Chemikalien, die über die Luft, das Wasser und den Boden transportiert werden, bedrohen immer mehr Menschen weltweit. Wenn man Pestiziden und anderen giftigen Chemikalien über längere Zeit hinweg ausgesetzt ist, kann dies zu Krebs, zu Geburtsschäden und sogar zum Tod führen. Synthetische Chemikalien stehen in dem Verdacht, Fortpflanzungs- und Immunsystem sowie Verhaltensmuster in der Tierwelt und beim Menschen zu stören.

Mehr als 350 Millionen Tonnen gefährlicher Abfälle werden jedes Jahr weltweit erzeugt. Müllberge verändern das Gesicht der Erde. Land, Luft und Wasser, die als Müllkippen genutzt werden, haben die Grenze ihres Fassungsvermögens erreicht.

Beim Übergang in das nächste Jahrhundert müssen wir zu einem neuen Muster der Industrialisierung finden, das auf erneuerbaren Energien aufbaut und das Materialien kontinuierlich wiederbenutzt und verwertet. Wir müssen eine starke Abwehrmauer gegen die Weiterverbreitung von langlebigen organischen Schadstoffen errichten, die alles Leben auf der Erde bedrohen. Ich bin zuversichtlich, daß die internationale Gemeinschaft in Kürze eine weltweite Konvention ausarbeiten wird, um diese langlebigen organischen Schadstoffe zu kontrollieren. Und es ist unbedingt notwendig, daß wir ein globales Protokoll zur biologischen Sicherheit vereinbaren.

Das größte Hindernis auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung sind soziale Ungleichheit und die mit ihr verbundenen Übel Armut und Ignoranz.

In diesem Zusammenhang sind internationale Entwicklungshilfe und -kooperation Symbole der Solidarität aller Menschen untereinander. Sie erweitern die gemeinsamen Interessen und Werte, die notwendig sind, um die Vielzahl globaler Probleme zu bewältigen, die keine Grenzen respektieren. Leider zeichnet sich bei der gesamten Entwicklungshilfe in Übersee ein Abwärtstrend ab. 1998 umfaßte die öffentliche Entwicklungshilfe 33 Milliarden US$. Das bedeutet einen Rückgang von 40 Prozent seit Anfang des Jahrzehnts. Verglichen mit dem Ziel, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe auszugeben, gibt es einen Fehlbetrag von 100 Milliarden US$ beim gegenwärtigen Stand der öffentlichen Entwicklungshilfe.

Die Industriestaaten müssen die Zusammenhänge zwischen dem Umfang der öffentlichen Entwicklungshilfe, den Entschuldungsinitiativen sowie den Zielen nachhaltiger Stadtentwicklung, Armutsbekämpfung und guter Regierungsform erkennen.

An diesem Weltumwelttag müssen wir uns in Erinnerung rufen, daß wir - egal wie gut unsere Technologien und wie innovativ die Antworten der Wissenschaft sein mögen – langfristig nur dann einen umfassenden und ausschlaggebenden Erfolg erzielen werden, wenn jeder Mensch auf diesem Planeten zutiefst davon überzeugt ist, daß die Arbeit für die Erhaltung seiner eigenen Umwelt auch bedeutet, eine Pflicht gegenüber zukünftigen Generationen zu erfüllen.

* * * * *

Weitere Informationen für die Presse: Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Tore J. Brevik, UNEP Pressesprecher, Tel.(00254-2) 623292, Fax (00254-2) 623692, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab Mai 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
deutschland@unric.org

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front