Dienstag, 21 November 2017
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Der Globalisierung nicht hilflos gegenüberstehen!

UNIC/132

Generalsekretär Kofi Annan ruft in seiner Erklärung zum Tag der Vereinten Nationen zu mehr Führungsstärke und neuen Partnerschaften auf globaler Ebene auf

NEW YORK, 24. Oktober – Der Gründungstag der UNO, an dem im Jahr 1945 die Charta der Vereinten Nationen in Kraft trat, wird in aller Welt als „Tag der Vereinten Nationen“ gefeiert. Generalsekretär Kofi Annan hat aus diesem Anlaß folgende Erklärung veröffentlicht:

Der Tag der Vereinten Nationen bietet uns alljährlich Gelegenheit, Bilanz über unsere Leistungen aber auch über unsere Versäumnisse zu ziehen und darüber nachzudenken, wo wir als Gemeinschaft der Nationen heute stehen und welche Herausforderungen noch vor uns liegen. Vor einem Jahr hatte ich in meiner Erklärung zu diesem Tag den Schwerpunkt auf die Reform unserer Organisation gelegt. Heute kann ich mit Zufriedenheit sagen, daß die “stille Revolution“ Wirklichkeit geworden ist. Die Familie der Vereinten Nationen handelt nun mit weit mehr Gemeinsamkeit und Geschlossenheit als vor einem Jahr.

Jetzt müssen wir die neuen Herausforderungen, die vor uns liegen, erkennen und geeignete Wege finden, um sie zu meistern. Ein Zufall im Kalender setzt uns einen präzisen und unübersehbaren Termin, auf den wir uns konzentrieren müssen: Der Beginn des dritten Jahrtausends. Nur noch zwei Jahre verbleiben bis zur Eröffnung der 55. Tagung der Generalversammlung, die wir zur “Jahrtausendversammlung“ deklariert haben. Wir sollten diese zwei Jahre dazu nutzen, gründlich darüber nachzudenken, was wir tun müssen. Wir werden weder die Charta für nichtig erklären und eine neue schreiben, noch werden wir Utopien planen. Aber wir müssen einige der vordringlichsten Probleme der Welt aufgreifen und ein präzises und durchführbares Programm zu ihrer Bewältigung ausarbeiten. Ich nehme an, daß viele, wenn nicht alle dieser Vorhaben unter einem Begriff zusammengefaßt werden können, der zum Schlagwort unserer Zeit geworden ist: Globalisierung.

Auf der diesjährigen Generalversammlung war die Globalisierung das mit Abstand am meisten diskutierte Thema – vor allem von jenen Ländern, die unter der Asienkrise und ihren Folgen besonders gelitten haben. Ich glaube, daß die Globalisierung, langfristig betrachtet, etwas Positives ist. Sie läßt die Menschen näher zusammenrücken und bietet vielen von uns Chancen, von denen unsere Großeltern nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Sie ermöglicht es uns, effizienter zu produzieren und gibt zumindest einigen von uns die Möglichkeit, unsere Lebensqualität zu verbessern.

Aber diese Vorteile werden längst nicht von allen gleich empfunden. Der langfristige positive Wandel liegt für viele unserer Mitmenschen einfach zu weit weg, um von Bedeutung zu sein. Millionen Menschen leben immer noch im weltwirtschaftlichen Abseits. Weitere Millionen erfahren die Globalisierung nicht als Chance, sondern als zerstörerische Macht, als Angriff auf ihren materiellen Lebensstandard oder ihre traditionelle Lebensweise. Die Zahl derer, die sich auf diese Weise ausgegrenzt fühlen, wächst ständig.

Die Asien-Krise hatte weltweit schwerwiegende Auswirkungen mit verheerenden gesellschaftlichen Folgen. Einige der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder der Welt sind mit einer Geschwindigkeit in die Rezession geschlittert, die die gesamte internationale Gemeinschaft überrascht hat. Wie immer trifft es die Schwächsten am härtesten. Und die Länder, die gerade die ersten unsicheren Schritte auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung gemacht hatten, sind nun am meisten gefährdet. Die Krise hat sich auf Rußland ausgedehnt und sogar die Märkte Nordamerikas und Europas sind nicht mehr immun.

Die Tatsache der Globalisierung zu leugnen wäre nutzlos, frustrierend und, letzten Endes, auch destruktiv. Man könnte ebenso gut einen Krieg gegen das Wetter führen. Ich meine daher, daß wir besser auf dem Positiven aufbauen sollten. Wir können zwar nicht die Richtung eines Sturmes ändern, aber wir können Millionen Menschen, die unter seinen Folgen leiden, Schutz bieten. Wir können uns vor Orkanen nicht verstecken, aber wir können uns bemühen, die Häuser, die künftigen Unwettern ausgesetzt sind, auf solidere Fundamente zu setzen.

Damit akzeptieren wir den Wandel, aber wir finden uns nicht damit ab, ihm hilflos gegenüberzustehen. Die Fragen, die diese Krise aufwirft, sind weder rein finanzieller oder wirtschaftlicher noch ausschließlich gesellschaftlicher oder politischer Art: Sie betreffen alle diese Aspekte gleichzeitig. Sie müssen daher auch in allen diesen Bereichen angegangen und sowohl auf lokaler, als auch auf globaler Ebene behandelt werden. Mehr denn je müssen wir uns zusammenschließen, um diesen Wandel zu bewältigen. Mehr denn je ist “gute Staatsführung“ im weitesten Sinne gefordert, um der Globalisierung zu begegnen. Mehr denn je müssen wir Führungsstärke auf globaler Ebene zeigen. Mehr denn je brauchen wir neue Partnerschaften.

Die fruchtbare Kooperation zwischen den Vereinten Nationen und nichtstaatlichen Akteuren, die zusammen den Kern einer globalen Zivilgesellschaft bilden, gibt Anlaß zur Hoffnung. Das vergangene Jahr brachte uns zwei glänzende Beispiele für diese Zusammenarbeit: Die Internationale Kampagne zur Ächtung von Landminen und die Koalition der Nichtregierungsorganisationen, die sich für den Internationalen Strafgerichtshof eingesetzt haben.

Die Zahl dieser Partnerschaften für eine globale Gemeinschaft wächst täglich. Sie haben viel zu tun. Aber wenn wir ernsthaft entschlossen sind, unsere Ressourcen gemeinsam zu nutzen, unsere Unterschiedlichkeiten beiseite zu lassen und zusammenzuarbeiten, gibt es kaum etwas, das wir nicht erreichen können. Wir wollen uns an diesem Tag der Vereinten Nationen erneut dazu bekennen und mit der Arbeit beginnen.

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