Freitag, 24 November 2017
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Generalsekretär Kofi Annan: Mehr Macht für die Frauen – Voraussetzung für den Fortschritt der Menschheit

UNIC/91

In seiner Erklärung zum Internationalen Tag der Frau (8. März) fordert Kofi Annan dringende Maßnahmen gegen Gewalt gegen Frauen und für Frauen in bewaffneten Konflikten

NEW YORK, 8. März – Seit 1975, dem Internationalen Jahr der Frau, begehen die Vereinten Nationen jedes Jahr am 8. März den Internationalen Tag der Frau. Aus diesem Anlaß hat Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung veröffentlicht:

In diesem Jahr hat der Internationale Tag der Frau für uns eine besondere Bedeutung. Er fordert uns im 50. Jubiläumsjahr der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gleich in zweifacher Hinsicht zum Handeln auf: wir müssen zeigen, daß die Menschenrechte zum Wesen des Menschen gehören und daß sie Männern und Frauen gleichermaßen zustehen.

Die Förderung von Frauenrechten bedeutet: Förderung von Freiheit, Gerechtigkeit und friedlicher Konfliktlösung; von sozialem Fortschritt und besseren Lebensverhältnissen; von Gleichheit, Toleranz und Menschenwürde. Zwei Themen sind besonders dringlich: Gewalt gegen Frauen und die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf Frauen.

“Frauen und Kinder zuerst“ war einmal eine Parole, die sich auf die freien Plätze in den Rettungsbooten eines sinkenden Schiffes bezog. Heutzutage scheint sie sich viel zu häufig auf die Opfer zu beziehen, die ein Land im Kriegszustand zu beklagen hat. In allen Gesellschaften werden Frauen, ungeachtet von Einkommen, Gesellschaftsschicht und Kultur, physisch, sexuell und seelisch mißbraucht. Aber in Gesellschaften, die sich in einer Krise oder in einem Krieg befinden, leiden Frauen und Kinder besonders. Obwohl die ganze Gemeinschaft an den Folgen einer bewaffneten Auseinandersetzung zu tragen hat, sind es immer die Frauen und Mädchen, die aufgrund ihres Status und ihres Geschlechts besonders schwer betroffen sind.

An diesem Tag sollten wir die Aufmerksamkeit vor allem auf die Not der Frauen und Mädchen lenken, die in Ländern im Kriegszustand leben. Wir sollten uns auf die Frauen konzentrieren, die überall in der Welt leiden. Erst kürzlich habe ich eine organisationsübergreifende Delegation nach Afghanistan entsandt, mit dem Auftrag, dort die Situation von Frauen und Kindern zu prüfen und die UNO-Organisationen dabei zu unterstützen, eine Strategie der Entwicklung und Hilfe zur Rehabilitierung zu entwickeln, die sich stärker auf die Menschenrechte stützt. Die Delegation kam zu dem Ergebnis, daß nach 18 Kriegsjahren internationale Hilfe zwingend notwendig ist. Politiken, die Frauen nicht an dieser Unterstützung teilhaben und davon profitieren lassen – sei es direkt oder indirekt – stehen nicht nur in Widerspruch mit vorhandenen Menschenrechtsnormen, sondern können auch die Wirkung dieser Hilfe stark beeinträchtigen. Aus diesem Grund rufe ich heute alle Behörden in Afghanistan und in anderen Ländern, in denen die Frauenrechte unterdrückt werden, dazu auf, unverzüglich die Rechte von Frauen und Mädchen auf Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeit, Bewegungs- und Vereinigungsfreiheit, sowie auf Schutz ihrer Person anzuerkennen und konkrete Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Ziele zu ergreifen. Dabei sollte der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Konvention zur Beseitigung aller Formen von Diskriminierung von Frauen sowie anderen Menschenrechtsinstrumenten entsprochen werden. Wir in den Vereinten Nationen versprechen weiterhin, diese Ziele zu unterstützen.

Mißbrauch von Frauen und Mädchen in Kriegszeiten ist weder ein „Unfall“ noch eine zufällige Nebenerscheinung bewaffneter Konflikte. Diese Formen der Verfolgung spiegeln vielmehr die Ungleichheit wider, mit der die Frauen auch in ihrem Alltag in Friedenszeiten konfrontiert sind. Gleichheit der Geschlechter ist kein Ziel an sich; es ist ein Mittel, um Armut zu vermindern, nachhaltige Entwicklung zu fördern und gute Regierungsformen aufzubauen.

Die Vertretung von Frauen in leitenden Führungspositionen, sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene, war viel zu lange eingeschränkt. Es gibt weder eine Entschuldigung dafür noch einen Grund. Als ich mein Amt als Generalsekretär der Vereinten Nationen antrat, habe ich der Ernennung und der Beförderung von Frauen Vorrang gegeben. In dieser Woche begrüßen wir die Ankunft der ersten stellvertretenden Generalsekretärin bei den Vereinten Nationen. Louise Frechette, eine hervorragende kanadische Diplomatin, gesellt sich zu Mary Robinson, der Hohen Kommissarin für Menschenrechte; Gro Harlem Brundtland, der designierten Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation; Elisabeth Rehn, meiner Sonderbeauftragten für Bosnien und Herzegovina; und vielen anderen in der wachsenden Zahl von Frauen in Führungspositionen in den Vereinten Nationen. Es müssen und werden mehr werden.

Um eine globale Partnerschaft für Menschenrechte aufzubauen, müssen Regierungen und Zivilgesellschaften neue Formen der Solidarität entwickeln, um jetzt und in den kommenden Jahren die Rechte sowohl von Frauen wie von Männern zu fördern und zu schützen. Als ich kürzlich von meiner Mission nach Baghdad zurückkam, habe ich gesagt, daß wir fast immer Erfolg haben werden, wenn wir uns in der Welt zusammenschließen und zusammenarbeiten, um ein Problem zu lösen. Ich glaube, daß wir dies über das kommende Jahr hinweg verstärkt sehen werden. Mit der Feier des Jahrestags der Annahme der Menschenrechtserklärung wenden wir uns an die Völker und Regierungen gleichermaßen, um die Botschaft zu vermitteln, daß Menschenrechte nicht etwas sind, das von Regierungen gegeben oder genommen werden kann wie eine Subvention. Sie können auch nicht mit dem Hinweis auf kulturelle Eigenständigkeiten wegdefiniert werden. Sie gehören zum Wesen der Menschheit.

Wenn die Welt diesen Tag der Frau feiert, dann sollen wir damit die Botschaft verbinden, daß Frauenrechte eine Verantwortung der ganzen Menschheit sind; daß die Bekämpfung aller Formen von Gewalt gegen Frauen eine Verpflichtung für alle Menschen darstellt; und daß mehr Macht für Frauen eine Voraussetzung für den Fortschritt der Menschheit ist.

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