Dienstag, 21 November 2017
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Die meisten Europäer für Hilfe zur Familienplanung in Entwicklungsländern

UNIC/41

LONDON/BONN, 18. März 1997 (UNO-Bevölkerungsfonds) -- Die Menschen in Entwicklungsländern sollten Zugang zu Verhütungsmitteln und Beratung in Familienplanung haben. Europa soll ihnen dabei helfen. Dies ist das Ergebnis einer heute veröffentlichten europaweiten Meinungsumfrage.

Im Rahmen der größten Studie, die es je zu diesem Thema gab, wurden 13.000 Personen in 13 europäischen Ländern befragt. Die Studie wurde von MORI, einem Londoner Meinungsforschungsinstitut, im Auftrag des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) durchgeführt und erhob Ansichten zu Bevölkerungsfragen, nationalen und internationalen Problemen sowie Entwicklungshilfe.

In ganz Europa waren die Befragten der Meinung, daß Informationsangebote zum Thema reproduktive Gesundheit in Entwicklungsländern verfügbar sein sollten und daß europäische Regierungen Mittel dafür bereitstellen sollten. Fast zwei Drittel (63%) aller Befragten waren dafür, in Entwicklungsländern Familienplanungsmethoden zugänglich zu machen. Mehr als die Hälfte der Europäer sagte, daß Verhütungsmittel (52%) und Informationen darüber, wie sexuell übertragbare Krankheiten wie z.B. HIV/AIDS vermieden werden können (53%) für Personen aller Altersklassen verfügbar sein sollten. Etwas weniger (42%) hoben in diesem Zusammenhang die medizinische Behandlung von Personen mit sexuell übertragbaren Krankheiten hervor. Im Detail ist es so, daß zwei von fünf (40%) glaubten, daß Sexualerziehung in die Lehrpläne in Entwicklungsländern aufgenommen werden sollten, während 42 Prozent sagten, daß junge Leute in diesen Ländern Zugang zu Beratung bei ungewollten Schwangerschaften haben sollten und 38 Prozent meinten, daß dieser Altersgruppe Zugang zu Verhütungsmitteln gewährt werden sollte.

“Ich bin von den Ergebnissen der Studie sehr beeindruckt“, sagte die Exekutivdirektorin des UNO-Bevölkerungsfonds, Dr. Nafis Sadik. “Sie zeigt das hohe Bewußtseinsniveau unter den Europäern, nicht nur im Hinblick auf die globalen Probleme selbst, sondern auch bezüglich ihrer tieferen Ursachen und der für ihre Bewältigung notwendigen Maßnahmen. Reproduktive Rechte sind Menschenrechte: wir können Bevölkerungstrends nur beeinflußen, indem wir den Menschen überall ermöglichen, bei Fragen der Fortpflanzung eine bewußte Wahl zu treffen.“

“Viele Europäer scheinen reproduktive Rechte für etwas Selbstverständliches zu halten. Daher ist es ermutigend, daß sie trotzdem bereit sind, den Menschen in Entwicklungsländern zu den gleichen Rechten zu verhelfen“, sagte Ingar Brueggemann, die Generalsekretärin der Internationalen Föderation für geplante Elternschaft (IPPF), die sich gemeinsam mit UNFPA darum bemüht, diese Themen bewußt zu machen.

Die Hälfte der Befragten bezeichnen Bildungsmangel und einen unzureichenden Zugang zu Methoden der Familienplanung als die wichtigsten Ursachen des Bevölkerungswachstums. Kultureller Druck wurde von 42% als Ursache hervorgehoben, während 39% Armut als Grund angaben. 17% der Befragten führten die Notwendigkeit einer Unterstützung im Alter an. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und den niedrigen gesellschaftlichen Status von Frauen nannten mehr Leute (16%) als den Druck von Eltern und Familie, viele Kinder zu haben (12%).

Bei der Frage nach einer spontanen Auflistung der drängendsten globalen Probleme zeigte es sich, daß sich die Sorgen der Europäer vor allem auf drei Themenbereiche konzentrieren: Krieg/ Gewalt (41%), Nahrungsmittelknappheit/Hunger (27%) und Umweltzerstörung (25%). Eine größere Anzahl nannte auch Bevölkerungsfragen, vor allem sexuell übertragbare Krankheiten wie z.B. HIV/AIDS (14%) und Bevölkerungswachstum (12%).

Tatsächlich ist das rasche Bevölkerungswachstum für mehr Menschen eines der größten Probleme der Welt als die Bedrohung durch einen Nuklearkrieg (8%). Bei der späteren Aufforderung anhand einer Liste die schwerwiegendsten Folgen des weltweiten Bevölkerungswachstums zu benennen, wurde Nahrungsmittelknappheit und Hunger von knapp mehr als der Hälfte (54%) der Befragten angeführt. 43 Prozent nannte Armut und 28 Prozent die größer werdende Kluft zwischen reichen und armen Ländern. Ungefähr jeder Vierte hielt steigende Arbeitslosigkeit (27%) oder Umweltzerstörung und die Verringerung der natürlichen Ressourcen der Welt (25%) für die dramatischsten Konsequenzen des Bevölkerungswachstums.

Mehr als 9 von 10 Befragten wollten die Unterstützung für die Entwicklungsländer fortsetzen: aufgefordert aus einer Liste von zehn unterschiedlichen Arten der Entwicklungshilfe diejenigen auszuwählen, für die ihre Regierung Geld zur Verfügung stellen sollte, nannten 92 Prozent mindestens eine. Was das persönliche Engagement angeht, so haben 59% der Europäer in den letzten zwei bis drei Jahren einer Wohlfahrtseinrichtung oder einer Nichtregierungsorganisation Geld gespendet und 16 Prozent haben freiwillig Geld gesammelt oder in irgendeiner anderen Weise für die Anliegen gearbeitet, die sie unterstützen.

Obwohl die Fruchtbarkeit abnimmt, steigt die absolute Zahl der Bevölkerung immer noch jedes Jahr um 81 Millionen. Nach den jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen, wird die Weltbevölkerung von heute 5,8 Milliarden auf 8,3 Milliarden im Jahr 2025 anwachsen. Die Sechs-Milliarden-Marke wird im Jahr 1999 überschritten werden. Aber die Langzeitprognosen für das Jahr 2050 fallen weit auseinander - von einem Tiefstwert von 7,7 Milliarden bis zu einem Höchstwert von 11,1 Milliarden Menschen, wobei ein mittlerer Wert von 9,4 Milliarden das wahrscheinlichste Szenario darstellt.

Welche dieser Zahlen sich in Zukunft realisieren wird, hängt davon ab, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden. Der Unterschied könnte Mitte des nächsten Jahrhunderts mehr als drei Milliarden Menschen ausmachen - die heutige Gesamtbevölkerung von China, Indien und ganz Afrika.

Auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung 1994 in Kairo haben alle Länder Maßnahmen vereinbart, um dieser Herausforderung mit einer Verbesserung der Bedingungen in den Entwicklungsländern zu begegnen. Diese Maßnahmen beinhalten die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, die Sicherstellung des Zugangs zu Informationen zum Thema reproduktive Gesundheit wie z.B. Familienplanung und sexuelle Gesundheit, Gesundheitsdienste für Mutter und Kind, Prävention und medizinische Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten wie z.B. HIV/AIDS und die Sicherstellung einer allgemeinen Grundschulbildung für alle Mädchen und Jungen. Die Regierungen haben im übrigen auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking diese Maßnahmen weiter ausgearbeitet und verstärkt.

Frau Brueggemann betonte, daß die Ergebnisse der Studie ein weiterer Anstoß dafür sind, die wichtige Arbeit fortzusetzen, die in Kairo und Peking begonnen wurde. “Die Studie zeigt, daß es eine große öffentliche Unterstützung dafür gibt, den Menschen in Entwicklungsländern zu helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Wir fordern die Regierungen dazu auf, diese Initiative aufzugreifen und die Studie als Katalysator für Maßnahmen zu benutzen, die tatsächliche Veränderungen einleiten“, sagte sie.

Dr. Sadik stimmte mit ihr darin überein, daß die Ergebnisse der Studie Vermutungen über Spendenmüdigkeit oder Entwicklungspessimismus klar widerlegen. Wenn Finanzentscheidungen von der Öffentlichkeit getroffen würden, gäbe es keine Verringerung der Entwicklungshilfe, sagte sie. “Man braucht so wenig, um den Menschen die Wahl zu ermöglichen. Indem man sich um ihre Bedürfnisse kümmert, entspricht man auch den globalen Anforderungen.“

Die Studie und ihre Ergebnisse haben UNFPA und IPPF dazu veranlaßt, gemeinsam mit 16 europäischen Nichtregierungsorganisationen auf mehr öffentliche Aufmerksamkeit für internationale Bevölkerungshilfe, die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Machtgleichstellung der Frau und globale reproduktive Rechte hinzuwirken.

* * * * *

Technische Anmerkung:

Die Studie wurde von MORI koordiniert und mit repräsentativen Gruppen von Erwachsenen ab 16 Jahren in folgenden 13 Ländern durchgeführt: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden und Schweiz. In jedem Land fanden zwischen September und Oktober 1996 ungefähr 1000 Interviews statt (insgesamt wurden 13.005 Interviews geführt). Wo erforderlich, wurden die erhobenen Daten mit dem bekannten Bevölkerungsprofil abgeglichen.

 


Anhang

BEVÖLKERUNGSUMFRAGE - GESAMTRESULTATE

 

Angaben: Europäischer Durchschnitt (In Prozent)

Die hauptsächlichen Folgen des Bevölkerungswachstum
Nahrungsmittelknappheit/Hunger/Unterernährung 54
Armut/Obdachlosigkeit 43
Wachsende Kluft zwischen reichen und armen Ländern 28
Zunehmende Arbeitslosigkeit/Unterbeschäftigung/Stellenmangel      27
Umweltschäden/Übernutzung der natürlichen Ressourcen 25

 

DIE DRÄNGENDSTEN PROBLEME DER WELT
Konflikte/Gewalt 41
Nahrungsmittelknappheit/Hunger 27
Umwelt/Umweltverschmutzung 25
Armut 21
Arbeitslosigkeit 20
Drogenmißbrauch/Drogenhandel 16
HIV-AIDS/andere sexuell übertragbare Krankheiten      14

 

ENTWICKLUNGSHILFE

Wie Entwicklungshilfegelder ausgegeben werden sollten:
Bereitstellen von Gesundheitsversorgung, Ärzten/Krankenschwestern, medizinischem Material      52
Bereitstellen von Erziehung/Schulen/Ausbildung 50
Bereitstellen von Katastrophenhilfe (z.B. bei Nahrungsmittelknappheit und Konflikten) 41
Hilfe zur Verhinderung der Ausbreitung von HIV/AIDS 34
Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern 34
Entwicklung der Infrastruktur 32
Umweltschutz 30
Bereitstellen von Erziehung und Beratung zur Familienplanung 29
Hilfe für Bauern und Landarbeiter bei ihrer Arbeit 22
Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen 20

 

Die am meisten gewünschten, der reproduktiven Gesundheit dienenden Einrichtungen, die in den Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden sollten:
Beratung über empfängnisverhütende Mittel und Familienplanung 63
Beratung zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten 53
Empfängnisverhütung 52
Medizinische Behandlung von Personen mit sexuell übertragbaren Krankheiten 42
Beratung von Teenagern zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften 42
Programme zur Sexualerziehung in Schulen 40

 

Welche Einrichtungen der reproduktiven Gesundheit sollten die europäischen Regierungen in Entwicklungsländern unterstützen:
Beratung über empfängnisverhütende Mittel und Familienplanung 50
Beratung zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten 38
Empfängnisverhütung (Pille, Kondome, etc.) 36
Medizinische Behandlung von Personen mit sexuell übertragbaren Krankheiten     31
Beratung von Teenagern zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften 29
Programme zur Sexualerziehung in Schulen 27
Empfängnisverhütende Mittel für Jugendliche 26

 

INNENPOLITISCHE SORGEN

Die am meisten geforderten Einrichtungen der reproduktiven Gesundheit:
Beratung von Teenagern zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften      54
Beratung zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten 53
Beratung über empfängnisverhütende Mittel und Familienplanung 52
Programme zur Sexualerziehung in Schulen 49

 

Die drängendsten Probleme:
Arbeitslosigkeit 59
Wirtschaftliche Situation 30
Kriminalität 20
Drogenmißbrauch 18
Gesundheitsversorgung 14
Soziale Absicherung/Wohlfahrt 13
Beziehungen zwischen den Rassen       12
Umwelt/Umweltverschmutzung 11

 

Bekanntheitsgrad von internationalen Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen
Rotes Kreuz 95
Greenpeace 86
Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) 86
Vereinte Nationen (UNO) 83
Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO) 80
Weltgesundheitsorganisation (WHO) 61
Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) 15
Internationale Föderation für geplante Elternschaft (IPPF)      10

 

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