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Ehemaliger US-Präsident Clinton drängt darauf, Frühwarnung zu einer weltweiten Priorität zu machen

UNRIC/120

Dritte Internationale Frühwarnkonferenz in Bonn, 27. bis 29. März 2006

VEREINTE NATIONEN/BONN, 27. März 2006 –-Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat bei der Dritten Internationalen Frühwarnkonferenz in Bonn auf die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen hingewiesen, um die Auswirkungen von Naturgefahren zu reduzieren.

„Gefahren werden nicht automatisch zu Katastrophen“, sagte Clinton, der auch Sonderbeauftragter von UNO-Generalsekretär Kofi Annan für den Wiederaufbau nach der Tsunami-Katastrophe ist. „Naturgefahren werden nur zu Katastrophen, wenn das Leben und Existenzen ausgelöscht werden. Es muss eine weltweite Priorität werden, Gemeinschaften sicherer zu machen, indem wir die Gefahr von Naturkatastrophen besser handhaben“, sagte er.

Der frühere Präsident erwähnte in seiner Rede die jüngsten wirtschaftlichen und sozialen Verluste, die durch Naturkatastrophen zu verzeichnen waren und wies auch auf die Folgen von Bevölkerungswachstum, Verstädterung, der Ausdehnung menschlicher Siedlungen in gefährdeten Gebieten, Umweltzerstörung und den Klimawandel hin. All diese Faktoren tragen zu einer wachsenden Anfälligkeit bei.

Damit Naturgefahren nicht zu Katastrophen werden, forderte Clinton die Umsetzung bekannter aber zu selten angewendeter Maßnahmen, um Risiken zu begrenzen. Beispiele sind das Erstellen von Karten besonders gefährdeter Gebiete, die Durchsetzung einheitlicher Baustandards, ein verbesserter Versicherungsschutz für Überlebende sowie eine verbesserte Aufklärung über die Risiken von Naturkatastrophen.

Auf der Insel Simeulue vor der Küste Indonesiens zum Beispiel wurden die Bewohner frühzeitig über die Gefahren eines Tsunamis informiert. Fast alle 80.000 Bewohner überlebten, nur sieben von ihnen kamen während der Flutkatastrophe im Dezember 2004 ums Leben. Moderne Systeme zur Frühwarnung können viele Leben retten.

Zum Thema Frühwarnsysteme machte Clinton klar: „Wir wissen, dass Frühwarnsysteme das entscheidende Element für eine effektive Strategie zur Risikovorsorge sind. Frühwarnsysteme können Menschenleben und Lebensgrundlagen retten.“ Während er den unschätzbaren Beitrag von fortschrittlichen wissenschaftlichen Überwachungssystemen anerkannte, bemerkte Clinton, dass hochentwickelte Technologie bedeutungslos sei, wenn die Warnsignale eine Gemeinschaft nicht erreichen. Die Menschen müssen auch bereits wissen, wie sie sich schützen können, sobald die Sirenen zu heulen beginnen.

Er rief die Geber auf, das Kompendium der Frühwarnprojekte, die für die Bonner Konferenz erbeten wurde, sorgfältig zu prüfen. Der ehemalige US-Präsident erinnerte die Konferenzteilnehmer auch an die moderaten Kosten von 200 Millionen US-Dollar für Frühwarnprojekte, die zur Diskussion stehen. Diese machen nur einen Bruchteil der jährlichen Kosten für humanitäre Hilfe in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar aus.

Am Schluss seiner Rede, brachte Clinton die Konferenzteilnehmer auf den neuesten Stand des Wiederaufbaus nach dem Tsunami: Fast 100.000 Häuser und 400 Schulen sind wieder aufgebaut worden oder befinden sich im Bau. Er berichtete von den erheblichen Fortschritten bei der Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozeans während der letzten 15 Monate.

Clinton rief die Konferenzteilnehmer auf, die getroffenen Abkommen schneller in die Tat umzusetzen. „Katastrophenvorsorge bedeutet vor allem, die Dinge anders zu handhaben und die richtige Wahl zu treffen“, sagte er, und fuhr fort: „Die richtige Wahl reicht von der Standortentscheidung, wo eine Schule gebaut werden soll, bis zur Investition eines geringen Geldbetrages, um sicherzustellen, dass Gebäude besser geschützt werden. Die Entscheidung heute zu investieren wird sich langfristig auszahlen. Nichts ist wichtiger für die Menschen, die in für Katastrophen anfällige Gebiete leben.“

Zum Hintergrund:
Zwischen den Jahren 1990 und 1999 hat sich die Zahl der Menschen, die von Naturkatastrophen betroffen waren, verdoppelt. Allein im Jahr 2005 haben insgesamt 149 Katastrophen 97.000 Menschen getötet, weitere über 133 Millionen Menschen betroffen und einen wirtschaftlichen Schaden von 220 Milliarden US-Dollar verursacht. Der Tsunami im Jahr 2004 tötete mehr als 220.000 Menschen und verursachte 10 Milliarden US-Dollar Schaden. Nach Schätzungen werden 96 Prozent der Geldmittel für Aktivitäten im Zusammenhang mit Katastrophen für Hilfsmaßnahmen und Wiederaufbau, aber nur 4 Prozent in Vorsorgemaßnahmen aufgewendet. Für jeden US-Dollar, der in die Vorsorge investiert wird, werden drei US-Dollar für Hilfsmaßnahmen und Wiederaufbau eingespart.

Die Dritte Internationale Frühwarnkonferenz in Bonn wird von der Bundesrepublik Deutschland und unter der Schirmherrschaft des Sekretariats der Vereinten Nationen der Internationalen Strategie zur Katastrophenverhütung veranstaltet. Der Tagung ging die Internationale Konferenz über Frühwarnsysteme zur Naturkatastrophenvorsorge in Potsdam im Jahre 1998 und die Zweite Internationale Frühwarnkonferenz in Bonn im Jahre 2003 voraus.

Kontakt:
Jehane Sedky-Lavandero, Pressereferentin, Büro des Sondergesandten des Generalsekretärs für Tsunami-Wiederaufbau
Tel. +1-212-906-6904
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Internet: www.tsunamispecialenvoy.org


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