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Internationaler Suchtstoffkontrollrat (INCB) fordert Änderung bei Alternativer Entwicklung

UNRIC/110
Sperrfrist: 1. März, 01:01 Uhr, MEZ

VEREINTE NATIONEN/WIEN, 28. Februar 2006 – Die internationale Gemeinschaft muss ihr Konzept für die Alternative Entwicklung umdenken, damit diese als internationale Strategie zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs erfolgreich eingesetzt werden kann. Dies stellt der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) in seinem heute veröffentlichten Jahresbericht fest.

Obwohl der Rat bemerkt, dass die Alternative Entwicklung in bestimmten Fällen Erfolge in der Verringerung der Anbauflächen illegaler Suchtstoffe gebracht hat, stellt er jedoch die wesentlichen Schwächen der klassischen Vorgehensweise in den Vordergrund. Das derzeitige Konzept der Alternativen Entwicklung konzentriert sich nur auf Ersatzanbauprojekte, anstatt auf breiter festgelegte legitime Einkommensmöglichkeiten. Ebenso beschränkt es sich auf vereinzelte Projekte, anstatt die gesamte Wirtschaft eines Landes anzusprechen. Es berücksichtigt nicht die internationalen Handelsbedingungen und vernachlässigt städtische Gebiete und das Problem des Drogenmissbrauchs.

“Dieser eindimensionale Ansatz hat nicht die erwünschten Ergebnisse gezeigt“, sagte Hamid Ghodse, Präsident des INCB. “Ein wirklich umfassendes Konzept Alternativer Entwicklung beschränkt sich nicht auf den Anbau alternativer landwirtschaftlicher Produkte, sondern umfasst auch die Entwicklung von Verkehrswegen und Infrastruktur, Bildungsmaßnahmen, das Gesundheitswesen, Sicherheit, Stabilität und verantwortungsbewusste öffentliche Strukturen”, fügte er hinzu. Alternative Entwicklung bringt legitime Alternativen für Menschen, deren einziger Broterwerb bisher von Drogengeschäften kam.

Eine auf individuelle landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte beschränkte Umsetzung der Alternativen Entwicklung in isolierten Gebieten kann laut INCB der Drogenbekämpfung im größeren Maßstab nicht dienlich sein. Die Alternative Entwicklung ist aus den engen Grenzen der “Einzelprojektstrategie” herauszulösen und als eine Aufgabe zu sehen, die die verschiedensten Bereiche und eine Vielzahl von Akteuren auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene einbeziehen muss. “Wahrscheinlich lässt sich das weltweite Drogenproblem nur dann wirksam beeinflussen, wenn die Alternative Entwicklung bewirkt, dass die Bedürfnisse vieler anderer am Drogenmissbrauch beteiligter Gruppen berücksichtigt werden”, sagte Professor Ghodse.

Der INCB fordert, die Nachhaltigkeit legitimer Einkommensmöglichkeiten zu sichern, wobei vor allem Fragen internationaler Zölle und Handelsbedingungen zu berücksichtigen sind. Die Mitgliedstaaten sollen ihre nationale und internationale Handelspolitik so formulieren, dass der Marktzugang für Produkte der Alternativen Entwicklung verbessert wird.

Der Rat schlägt vor, dass die Prinzipien der Alternativen Entwicklung, im weitesten Sinn, bei gesellschaftlich marginalisierten Gruppen sowohl in städtischen Gebieten als auch in entlegenen ländlichen Gebieten angewendet werden sollten. Dies würde aufgrund der symbiotischen Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage zu größeren Erfolgen führen als bei Beschränkung auf eine dieser Regionen.

Drogenschmuggel per Post im Steigen begriffen
In seinem Jahresbericht appelliert der Rat an die einzelnen Regierungen, ihre nationale Gesetzgebung diesbezüglich zu verschärfen und alle Postwege sowohl ins Ausland als auch aus diesem zu überwachen. Der Drogenschmuggel auf dem Postweg stellt für die Strafverfolgung ein massives Problem dar und ist seit Jahren im Steigen begriffen. Der Rat empfiehlt auch, dass die Kontrollmaßnahmen auf die Räumlichkeiten internationaler Kurierdienste ausgedehnt werden sollen und schlägt vor, die Anzahl der Übernahmestellen zu limitieren, um die Überwachung wirksamer durchführen zu können.

In den letzten fünf Jahren kam es in nahezu allen Teilen der Welt zu einer Zunahme derartiger Aktivitäten. Neben Kokain und Heroin werden auch pharmazeutische Produkte, die einer internationalen Kontrolle unterworfene Substanzen enthalten sowie MDMA (Ecstasy) und GHB (flüssiges Ecstasy) auf dem Postweg geschmuggelt.

Rasante Zunahme bei illegaler Methamphetamin-Herstellung
Der Rat ist alarmiert über die rasante Zunahme bei der illegalen Herstellung von Methamphetaminen. Neben dem raschen Anstieg in Nordamerika und Südostasien greift dieser auch auf andere Regionen wie Afrika, Osteuropa und Ozeanien über. Die Tendenz wird dadurch begünstigt, dass es Händlern immer häufiger gelingt, Ephedrin und Pseudoephedrin - die wichtigsten Vorläufersubstanzen von Methamphetamin - aus legalen Vertriebskanälen abzuzweigen.

Steigender Kokainkonsum in Europa
In Europa, stellt der Rat fest, ist die Gesamtmenge an beschlagnahmten Kokain noch immer im Steigen begriffen. Der steigende Bedarf an Behandlungsmöglichkeiten für Kokainsüchtige in Westeuropa zeigt, dass Kokainmissbrauch weit verbreitet ist. Untersuchungen zeigen, dass die jährliche Kokainmissbrauchsrate unter Jugendlichen in Dänemark, Deutschland, Spanien, dem Vereinigten Königreich sowie in manchen Regionen in Österreich, Griechenland, Irland und Italien von Jahr zu Jahr steigt. In den Niederlanden und in Spanien rangiert Kokain nach Heroin laut Berichten der einschlägigen Behandlungszentren an zweiter Stelle.

Der Jahresbericht des Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB) wurde in Wien am Dienstag, den 28. Februar 2006 um 11.00 Uhr veröffentlicht. Der Bericht hat eine Sperrfrist bis 01:01 Uhr MEZ, 1. März 2006.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Frau Jaya Mohan, Associate Information Officer, UNIS, ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Tel.: +43-1-26060-4448).

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