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UNO-Generalsekretär Kofi Annan: „Wir müsssen uns um alle Bedrohungen gleichermaßen kümmern“

UNRIC/160

Erklärung zum Tag der Vereinten Nationen, 24. Oktober 2006

New York/Vereinte Nationen – Zum zehnten und letzten Mal wünsche ich, als Generalsekretär, Freunden und Kollegen auf der ganzen Welt alles Gute zum Tag der Vereinten Nationen. Ich habe fast mein ganzes Berufsleben für die Vereinten Nationen gearbeitet – dieser Tag und die Werte, für die er steht, werden für mich daher immer von besonderer Bedeutung sein.

Während der letzten zehn Jahre sind wir in unserem gemeinsamen Kampf für Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte einige große Schritte voran gekommen: Fördermittel und Schuldenerlasse wurden erhöht, um die Weltwirtschaft einigermaßen fairer zu gestalten. Weltweit wurden die Maßnahmen gegen HIV/AIDS verstärkt. Es gibt weniger Kriege zwischen Staaten als früher, und viele Bürgerkriege sind beendet worden. Mehr Regierungen werden von der Bevölkerung gewählt und sind ihnen, die sie regieren, auch verantwortlich. Alle Staaten haben – zumindest in Worten – ihre Verantwortung anerkannt, Menschen vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu schützen.

Aber es muss noch so vieles mehr getan werden: Die Kluft zwischen arm und reich nimmt weiter zu. Nur wenige Länder werden bis 2015 alle acht Millenniums-Entwicklungsziele erreichen. Viele Menschen sind noch immer Greueltaten, Unterdrückung und brutalen Konflikten ausgesetzt. Das System zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen bedarf dringender Aufmerksamkeit. Terrorismus und die Reaktionen darauf verbreiten Angst und Misstrauen.

Es scheint, als ob wir uns nicht einmal darüber einigen könnten, welche Bedrohungen die wichtigsten sind. Bewohner kleiner Inseln sehen vielleicht die globale Erwärmung als größte Gefahr an. Einwohner von Städten, die von Terrorangriffen betroffen waren – wie New York, Bombay oder Istanbul – haben vielleicht das Gefühl, dass der Kampf gegen den Terrorismus am dringlichsten sei. Andere wiederum nennen vielleicht Armut, Krankheit oder Völkermord.

Die Wahrheit ist, dass dies alle globale Bedrohungen sind. Wir müssen uns daher um alle Bedrohungen gleichermaßen kümmern. Andernfalls werden wir wahrscheinlich nicht einmal eine davon erfolgreich bewältigen können.

Gerade zum jetzigen Zeitpunkt können wir es uns nicht leisten, uneinig zu sein. Ich weiß, dass die Völker dieser Welt dies verstehen. Ich danke ihnen für die Unterstützung und den Mut, die sie mir gegeben haben während dieser zehn schwierigen, aber aufregenden Jahre. Ich rufe sie auf, die Staats- und Regierungschefs zu bitten, mit meinem Nachfolger zusammenzuarbeiten und die Vereinten Nationen noch stärker und effektiver zu machen.

Lang lebe unser Planet und seine Völker! Lang leben die Vereinten Nationen!

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