Donnerstag, 23 November 2017
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Internationaler Suchtstoffkontrollrat warnt vor gefälschten Medikamenten

UNRIC/176

Jahresbericht hebt auch Trend zum Missbrauch von Anorektika zum Gewichtsverlust hervor

Wien/Vereinte Nationen – Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) warnt in seinem heute in Wien vorgestellten Bericht davor, dass die Marktschwemme von gefälschten Medikamenten in vielen Ländern verhängnisvolle Konsequenzen für den Konsumenten haben kann.

Die Gefahr ist konkret und nicht zu unterschätzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass 25 bis 50 Prozent der in den Entwicklungsländern verwendeten Medikamente gefälscht sind. Verschärft wird das Problem dadurch, dass sich Arzneimittel leicht fälschen lassen und Originalmedikamenten in Verpackung und Beschriftung ähneln. “Die Konsumenten sollten wissen, dass auf einem unregulierten Markt gekaufte pharmazeutische Präparate, die sie für preisgünstige Medikamente halten, potenziell lebensgefährliche Wirkungen haben können, wenn es sich nicht um Originalprodukte handelt, bzw. Mittel ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden. Anstatt zu heilen, können diese Arzneimittel Leben kosten“, sagt der Vorsitzende des INCB, Dr. Philip O. Emafo.

Der INCB ist besonders über die Existenz unregulierter Märkte besorgt, wo dem arglosen Konsumenten minderwertige und gelegentlich sogar lebensgefährliche Medikamente verkauft werden. Unregulierte Märkte werden häufig mit Arzneimitteln versorgt, die gestohlen, abgezweigt oder illegal hergestellt sind oder auch illegal über das Internet gehandelt werden. Es gibt Belege dafür, dass immer mehr Personen bzw. Unternehmen mit amtlicher Konzession die Gesetze unterlaufen, um kontrollierte Arzneimittel ohne Rezeptvorlage zu verkaufen. „Das Problem der Fälschung und des Missbrauchs von Arzneimitteln, die kontrollierte Substanzen enthalten und ohne Rezeptvorlage gekauft werden, besteht schon seit geraumer Zeit. Die rasante Ausbreitung der unregulierten Märkte hat die Situation allerdings dramatisch verschärft“, erklärt Dr. Emafo.

Der INCB ruft die Vertragsstaaten dazu auf, die gesetzgeberischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um sicherzustellen, dass Suchtstoffe und psychotrope Substanzen nicht illegal hergestellt oder von legalen Produktionsstätten und Vertriebskanälen in unregulierte Märkte umgeleitet werden.
 
Missbrauch rezeptpflichtiger Medikamente wird Missbrauch illegaler Drogen übersteigen
 
Laut INCB sind der illegale Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten und ihr Missbrauch auf dem besten Weg, den Missbrauch von illegalen Drogen zu übertreffen. Tatsächlich sind manche Medikamente, die Suchtstoffe und/oder psychotrope Substanzen enthalten, in vielen Fällen sogar die bevorzugte Droge und dienen nicht im eigentlichen Sinne als Ersatz. Die Nachfrage nach diesen Drogen ist dermaßen hoch, dass sie zu einem neuen Problem, nämlich der Produktfälschung, geführt hat. Der Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten kann tödliche Folgen haben und die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Suchtstoffen steigt. Laut Dr. Emafo „stellt die besonders starke Wirkung einiger synthetischer Suchtstoffe, die als rezeptpflichtige Medikamente erhältlich sind, in Wirklichkeit ein höheres Risiko der Überdosierung dar als der Missbrauch von illegalen Drogen“.

Arzneimittel heizen Schlankheitswahn an

Trotz des Risikos möglicher tödlicher Konsequenzen ist der Trend zum Missbrauch von Anorektika zum Gewichtsverlust im Steigen begriffen, warnt der INCB. Anorektika, die gegen lebensbedrohliche Fettleibigkeit, sowie zur Behandlung von Narkolepsie und Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) eingenommen werden, sind verschreibungspflichtig und sollten unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Allerdings hat aufgrund ihrer Wirkung, das Hungergefühl zu unterdrücken, eine alarmierende Anzahl an Personen begonnen, die Arzneien in der Hoffnung auf Gewichtsverlust zu missbrauchen. Regierungen und Betroffene sollen adäquate Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Verwendung von Anorektika auf medizinische Zwecke beschränkt bleibt.

Rapide Verschlechterung der Drogensituation in Afghanistan

Der INCB zeigt sich äußerst besorgt darüber, dass der gesetzwidrige Schlafmohnanbau in Afghanistan im Jahr 2006 ein Rekordausmaß erreicht hat. Ein Drittel der afghanischen Wirtschaft beruht nach wie vor auf der gesetzwidrigen Opiumproduktion, wodurch eine Situation entsteht, die von der afghanischen Regierung mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft vorrangig behandelt werden muss. Der INCB meint, dass umgehend Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Korruption in den Griff zu bekommen, da andernfalls die Bemühungen der Regierung zur Drogenkontrolle untergraben werden. Das würde auch den politischen Fortschritt, das wirtschaftliche Wachstum und die gesellschaftliche Entwicklung behindern.

Regionale Schwerpunkte

Der Jahresbericht erläutert pro Region wichtige Entwicklungen im weltweiten Drogenmissbrauch und -handel. In Afghanistan ist der Schlafmohnanbau im Jahr 2006 um 59 Prozent und die Opiumproduktion um beinahe 50 Prozent auf eine Rekordhöhe von 6100 Tonnen gestiegen. Es ist zu befürchten, dass der Handel mit afghanischen Opiaten einen destabilisierenden Effekt auf die Nachbarländer sowie auf Zentralasien und die Russische Föderation hat, wo das organisierte Verbrechen, Korruption und eine relativ hohe Nachfrage nach illegalen Opiaten im Steigen begriffen sind.

Der INCB stellt fest, dass der europäische Kontinent zum zweitgrößten illegalen Markt für Kokain weltweit geworden ist. Europa ist auch nach wie vor einer der wichtigsten illegalen Märkte für Aufputschmittel.

Der Missbrauch von Methamphetamin stellt die am stärksten wachsende Drogengefahr in Nordamerika dar und ist zu einem ernsthaften Problem für Gesundheit und Vollzugsbehörden geworden. Der INCB nennt insbesondere den starken und weiter steigenden Missbrauch von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln als besorgniserregend.

Die Vorstellung des Jahresberichts des Internationalen Suchtstoffkontrollrats findet am 28. Februar 2007 in Wien statt. Der Bericht ist bis 1. März 2007, 01.00 Uhr MEZ gesperrt.

Pressekontakt
Jaya Mohan, Information Officer, UNIS Vienna
Tel.: +43 1 26060-4448, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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