Donnerstag, 23 November 2017
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Was wir vom humanitären Weltgipfel brauchen

66178423. Mai 2016 (UNRIC) – In Istanbul findet der erste Weltgipfel für humanitäre Hilfe statt. Die Chefs von Regierungen, internationalen Organisationen, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft kommen zusammen, um ihre Zusagen bekanntzugeben, wie sie die schwierigsten Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen, angehen werden. Die Erfordernisse für den Gipfel sind klar: Konflikte ohne Ende, die unsägliches Leid verursachen, Massenvertreibungen, und politische und wirtschaftliche Unruhen; schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts; ein Ausmaß an Hunger und Unterernährung bei Kindern, das zu Tränen rührt; heftigere und häufigere Naturkatastrophen, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen; und eine wachsende Ungleichheit, die Millionen vom Entwicklungsfortschritt abschneidet.

Die Statistiken sind erschütternd: Mehr als 130 Millionen Mädchen, Jungen, Frauen und Männer brauchen Zugang zu humanitärer Hilfe und Schutz, und die Zahlen steigen ständig. Über 40,8 Millionen Menschen wurden innerhalb ihres eigenen Landes aufgrund von Konflikten und Gewalt vertrieben und mehr als 20,2 Millionen Menschen haben Zuflucht in anderen Ländern gesucht. Allein 2015 wurden 19,2 Millionen Menschen in 113 Ländern aufgrund von Naturkatastrophen vertrieben.

Die Vereinten Nationen und ihre humanitären Partner sind auf der Suche nach knapp 21 Milliarden US-Dollar, um vorrangig den Schwächsten in 40 Ländern lebensrettende Soforthilfe zu leisten und 91 Millionen Menschen zu schützen. Die  erste Hälfte des Jahres ist fast erreicht und noch immer fehlen US$17 Milliarden der notwendigen US$21 Milliarden. Unsere Möglichkeiten, jenen Menschen zu helfen, die in vielen Fällen alles verloren haben, werden dadurch versagt.


Als UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vor vier Jahren zum allerersten Weltgipfel für humanitäre Hilfe aufrief, erkannte er, dass der Status Quo so nicht weitergehen kann. Der Zeitpunkt für ein solches Treffen war niemals akuter. Die Führenden der Welt müssen die Realität der humanitären Bedürfnisse anpacken, die außer Kontrolle geraten.  


Wir haben nun die einmalige Gelegenheit in dieser Generation, eine ambitionierte Agenda für eine Richtungsänderung in Gang zu setzen, um das Leid der Schwächsten auf der Welt zu lindern, und noch wichtiger, zu verhindern. Um Erfolg zu haben, ruft der Generalsekretär in seiner ‚Agenda für die Menschlichkeit’ zu Einsatz und Handlung auf, die sich auf Veränderungen konzentrieren. 


Eine der entscheidendsten Änderungen, die wir beim Gipfel betrachten müssen, ist die Umlenkung der internationalen Aufmerksamkeit auf Konfliktverhütung und Lösung, um damit das Leben von Millionen Menschen zu ändern. Erst einmal müssen die politischen Führer in ihrer gemeinsamen Entschlossenheit und Verantwortung erkennen, dass der einzige Weg zur Reduziering des menschlichen Leides in solch langwierigem und massivem Ausmaß darin liegt, beim Verhindern und Beenden von Konflikten besser zu werden. Das bedeutet, dass die Führenden der Welt ihre Investitionen in die Unterstützung der Stabilität signifikant erhöhen müssen und einer proaktiven vorbeugenden Diplomatie den Vorrang geben, den sie verdient.

Die Politiker müssen auch Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht angehen – Gesetze, die für alle Staaten und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen bindend sind. Bei den heutigen Konfliktsituationen wird durch Straffreiheit gegen internationale Rechtsvorschriften verstoßen:  Zivilisten wurden zu Hause und in Krankenhausbetten getötet oder bis zum Verhungern belagert, und die humanitären Helfer wurden Opfer von oft tödlichen Angriffen.   


Der Gipfel muss auch die Zusagen, die die Führenden als Teil der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung bereits gemacht hatten, zum Leben erwecken, um niemanden zurückzulassen, und mit denen, die am weistesten zurückliegen, beginnen. Wir hören den Ruf der krisengeschüttelten Menschen: sie wollen nicht nur überleben und beschützt werden; sie wollen Hoffnung und Erfolg sehen. Wir müssen ein für alle Mal bessere Wege finden, um die Bedürfnisse zu verringern und die Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Wir müssen uns alle einer neuen Arbeitsweise verpflichten, indem wir Partnerschaften mit Regierungen, der Zivilgesellschaft, humanitären und Entwicklungshilfe-Akteuren eingehen.  


Schließlich sind keine dieser – und vieler anderer – Veränderungen möglich, ausser wir finden bessere Wege, um Ressourcen zu finanzieren und zu mobilisieren, die das Leid erleichtern und die Verwundbarkeit verringern und dem Risiko gerecht werden. 


Beim Gipfel werden dutzende ambitionierte und realisierbare Initiativen vorgestellt, die die Lebendigkeit und Vielfalt auf dem humanitären Sektor attestieren.

Wir appellieren an die Führenden sich zu verpflichten, die Zahl der Binnenvertriebenen von 40 Millionen im Jahr 2016 auf 20 Millionen bis 2030 zu halbieren.

Wir appellieren an die Führenden, eine neue ‚Global Preparedness Partnership‘ zu unterstützen, die darauf abzielt, dass bis 2020 in 20 Ländern ein Mindestmaß an vorbeugenden Maßnahmen für Naturkatastrophen erreicht wird.

Die ‚Connecting Business‘-Initiative wird vorgestellt. Sie soll das Engagement des Privatsektors bei der Katastrophenrisikominimierung, bei Notfallvorbereitung und –Maßnahmen und Wiederherstellung auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene umsetzen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben humanitäre Helfer jeden Aspekt der humanitären Hilfe verbessert: stärkere Auseinandersetzung; bessere Zusammenarbeit; mehr lokale und nationale Kapazitäten; höhere operationale Standards. Dennoch dürfen wir nicht aufhören, beim Retten und Schützen von Leben besser und effizienter zu werden.  

Als Teil dieser entschlossenen Verbesserung werden wir die Führenden quer durch das humanitäre Spektrum bitten, einen ‚Grand Bargain‘ zwischen den Gebern und Organisationen zu unterzeichnen. In den  kommenden fünf Jahren sollen eine Milliarde Dollar an Effizienzeinsparungen an die vorderste Front der humanitären Handlungen umgeleitet werden. Durch die Unterzeichnung dieser Abmachung stimmen Hilfsorganisationen zu, die Effizienz und Rechenschaftspflicht für das ausgegebene Geld zu verbessern. 

Unsererseits wird mein Büro beginnen, die Förderungsabläufe signifikant zu straffen, stärkeres Gewicht auf die Finanzierung der vordersten Front der lokalen und nationalen Helfer zu legen und die neue Arbeitsweise zu verfechten. 

Wir verstehen, dass diese Veränderungen nicht immer bequem sind. Dazu gehören Nichtübereinstimmung und Kompromiss. Der Gipfel bietet eine historische, wegweisende Gelegenheit und als Führende ist es unsere moralische Verpflichtung zu handeln – der Preis dafür, dass wir es nicht tun, ist zu hoch. Schließen Sie sich uns an! 

  


@WHSummit https://impossiblechoices.org #sharehumanity http://www.worldhumanitariansummit.org/

 

Gastkommentar von Stephen O'Brien, 

Untergeneralsekretär und Nothilfekoordinator

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