Samstag, 25 November 2017
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Studie: Sexuelle Belästigung von Frauen im Entwicklungshilfe-Sektor weit verbreitet

unspecifiedSexistische Kommentare, Annäherungsversuche, Gewalt: Auch Frauen, die im humanitären Bereich arbeiten, sind Opfer von Mißbrauch und Belästigungen. Dabei wagen nur wenige den Schritt, die Übergriffe zu melden.
Einer Studie des Humanitarian Women’s Network (HWN) zufolge, sind viele Frauen im Entwicklungshilfesektor von mißbräuchlichem Verhalten ihrer männlichen Kollegen betroffen. In einer Umfrage hatte das Netzwerk für Entwicklungshelferinnen, mehr als 1000 Frauen aus 70 Organisationen befragt. Dabei gaben 55 Prozent der Frauen an, dass sie im Laufe ihrer Karriere unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche männlicher Kollegen erlebt hätten. Darüber hinaus berichteten 48 Prozent der Teilnehmerinnen von „unerwünschten Berührungen“ während vier Prozent angaben, zu Geschlechtsverkehr gezwungen worden zu sein.

Im Interview äußert sich Rosalia Gitau, Mitgründerin des Netzwerkes, besonders überrascht über die vier Prozent Ziffer. „Was ich nicht erwartet habe sind die Zahlen im Bereich sexuellen Mißbrauches. Vier Prozent aller Befragten sind vergewaltigt worden. Das sind 40 Personen.“ Die Studie zeigte weiter, dass 60 Prozent der Frauen sich entschieden, die Übergriffe für sich zu behalten.
„Vor vier Jahren wurde ich von einem Kollegen sexuell mißbraucht. Ich habe nicht darüber gesprochen. Ich habe mich geschämt und hatte Angst meine Karriere zu riskieren. Ich wusste, dass eine Beschwerde eine lange Untersuchung und jede Menge Fragen nach sich ziehen würde und ich habe mich nicht stark genug gefühlt, diesen Prozess zu durchlaufen“, erklärte eine Betroffene, die in Afrika arbeitete und sich bereite erklärt hat, mit UNRIC zu sprechen.
Im Bereich der Belästigung zeigte sich Gitau weniger überrascht über die Ergebnisse der Studie. Dabei gaben knapp 70 Prozent der Frauen an Kommentare bezüglich ihrer äußeren Erscheinung bekommen zu haben. Knapp 50 Prozent berichteten von Kommentaren über die Intelligenz von Frauen. Trotzdem sagt Gitau, dass sie diese Zahlen im Bereich der Mikro-Agressionen erwartet habe. „Das ist Teil der Herausforderung für Frauen die im humanitären Sektor arbeiten“.

Auf der Basis der Umfrageergebnisse stellt das Netzwerk jetzt sieben Forderungen an das Inter-Agency Standing Committee (IASC), das zentrale Forum für die Koordination humanitärer Arbeit zwischen verschiedenen Organisationen. Unter Anderem wird dabei eine offzielle Anerkennung des Problems verlangt sowie die Etablierung eines Monitoring-Instruments.
„Ich bin optimistisch“ sagt Gitau, „denn es gibt einfach so viele Frauen – und Männer – denen dieses Thema am Herzen liegt.

Mehr Informationen:

Humanitarian Women’s Network

Internationaler Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen

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