Handel und Entwicklung

 

   

UNCTAD XI 

Elfte Tagung der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen

Sao Paulo, Brasilien, 13. - 18. Juni 2004

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Handel und Geschlechterfragen
Handel und Armut
   Globalisierung und Entwicklungsstrategien

 


Handel und Geschlechterfragen

Während immer mehr Frauen arbeiten, hat die Art der Arbeit, die sich aus den Folgen der Globalisierung und der Liberalisierung des Handels ergibt, einen dramatischen Einfluss auf ihr Leben. Dieser Einfluss der Globalisierung ist für Frauen und Männer unterschiedlich und wird in der Fachsprache als „Geschlechter-Differential“ bezeichnet.

Vor allem wegen ihres sehr oft positiven Einflusses auf die Wirtschaft im allgemeinen – von der Öffnung neuer Märkte, über neue Investitionen in die Infrastruktur bis hin zu steigenden Löhnen und Produktivität - hat die Liberalisierung für Frauen viele Möglichkeiten geschaffen. Expandierende Märkte, vor allem in der arbeitsintensiven Exportindustrie wie der Textilbranche, der Schuhproduktion, dem Gartenbau und der Datenverarbeitung, verzeichnen ein Wachstum in einkommensschwachen Entwicklungsländern mit einem Überschuss an billigen und ungelernten weiblichen Arbeitskräften. Die zeitweilige Migration, die unter dem Dienstleistungsabkommen (GATS) vorgesehen ist, lässt die Zahl der Wanderarbeiter dramatisch steigen. In der westlichen Hemisphäre waren im Jahr 2000 mehr als die Hälfte aller Migranten Frauen. Allein in den USA sind die meisten Beschäftigten in der Textilindustrie und die am schlechtesten bezahlten Landarbeiter Migrantinnen, die ihre eigenen Länder verlassen haben, um Arbeit im Norden zu finden. Ihre Überweisungen nach Hause tragen einen großen Teil zur wirtschaftlichen Verbesserung bei. Gleichzeitig verdienen Frauen weniger als Männer, auch in Bereichen in denen es viele Arbeitsstellen für Frauen gibt. Frauen befinden sich am unteren Ende der Lohnskala. Der Wettbewerb zwischen Entwicklungsländern lässt die Löhne weiter sinken. Besonders Frauen in ländlichen Gebieten und im informellen Sektor der Stadtgebiete sind besonders verletzlich.

In vielen Fällen hat die Liberalisierung auch dazu geführt, dass landwirtschaftliche Subventionen an Kleinbauern in Entwicklungsländern nicht mehr gezahlt werden. Die meisten von ihnen sind Frauen, was für sie zu vermehrter Arbeitslosigkeit führt. In einigen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern, die auf nicht-traditionelle landwirtschaftliche Exportgüter wie Früchte, Gemüse oder Schnittblumen setzen, können Frauen neue Jobs finden und machen nun den Großteil der Arbeitskräfte in diesen Sektoren aus. Die Arbeitsbedingungen können jedoch unsicher sein, weil es sich um saisonale Arbeit handelt und häufig Pestizide eingesetzt werden, was zu Gesundheitsproblemen führt. Da diese Arbeit oft von transnationalen Unternehmen (TNCs) vergeben wird, werden solche Probleme nicht immer von den Rechtsvorschriften einzelner Länder erfasst.

Das selbe gilt für die rund 200 Freihandelszonen, die in mehr als 50 Entwicklungsländern gegründet wurden, um ausländische Investoren anzuziehen. Während in den Freihandelszonen gewöhnlich besser bezahlt wird als in der Landwirtschaft oder im Inland, sind Frauen, die rund 80 Prozent der Arbeitskräfte hier stellen, wiederum diejenigen, die gering bezahlten und einfachen Tätigkeiten nachgehen. Dem UNO- Entwicklungsfonds für die Frau (UNIFEM) zufolge, verdienen sie zwischen 20 und 50 Prozent weniger als Männer. In denjenigen Freihandelszonen, wo die Produktion kapitalintensiver ist und die Technologien weiter fortgeschritten sind, sind es die Männer, die die Mehrheit der gut ausgebildeten Arbeiter stellen. In Malaysia zum Beispiel, wo sich die Produktion in den Freihandelszonen auf Elektronik, Nahrungsmittel, Dienstleistungen, Medikamente und Informationstechnologie konzentriert, stellen Frauen nur 54 Prozent der Arbeiternehmer – im Gegensatz zu einem Staat wie Nicaragua, wo es 90 Prozent und Textilien das wichtigste Produkt der Freihandelszonen sind.

In exportorientierten Ökonomien wie Hong Kong, Malaysia, Südkorea und Singapur haben die Löhne für Arbeitnehmerinnen ein Niveau zwischen 58 und 65 Prozent gegenüber den männlichen Kollegen erreicht. „Das belegt, dass der Wettbewerb durch den Außenhandel die Lohnungleichheiten nicht beseitigt hat“, so eine UNCTAD-Studie für die Konferenz in Sao Paulo. Deshalb sind langfristige Strategien nötig, um Geschlechtergleichheit zu erreichen.

Im Dienstleistungssektor gibt es zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten für Frauen, besonders in der exportorientierten Datenverarbeitung. In Indien nehmen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge Frauen rund 30 Prozent aller Arbeitsplätze in der Softwareindustrie ein. Aber die digitale Kluft reflektiert weiter die Geschlechterunterschiede in der Arbeitswelt. Die ILO stellt dazu fest: „Die traditionelle verarbeitende Industrie, in der Frauen beschäftigt waren, verschwindet allmählich. Frauen finden in neuen Sektoren Arbeit, die aber mit ihrer vorherigen Tätigkeit nur wenig zu tun haben.“

Das Outsourcing und besonders das sogenannte Offshoring sind ein weiteres Ergebnis der Globalisierung. Immer häufiger entstehen indirekte Beschäftigungsverhältnisse durch die transnationalen Unternehmen, die Frauen als Leih- oder Heimarbeiterinnen beschäftigen. Solche informellen Lösungen führen zu Niedriglöhnen oder Bezahlung nach Stück und garantieren nur eine minimale Jobsicherheit oder Sozialleistungen.

„Die Liberalisierung von Dienstleistungen kann die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Sie kann aber auch die Risiken für die Armen und Frauen steigern“ heißt es in der UNCTAD-Studie. Starke Inlandsregulierung und Sicherungen sind deshalb nötig, um Arbeitnehmerinnen zu schützen. Die Regierungen müssen den Zugang der Frauen zu Ausbildung, Gesundheitsversorgung, Land, Kapital und Krediten sicher stellen und soziale Absicherungen wie Pensionen oder Arbeitslosenversicherung gewährleisten.

Der Einfluss des Handels auf Geschlechterfragen beschränkt sich nicht auf die Liberalisierung selbst. In der Landwirtschaft zum Beispiel wird die Aufhebung von besonderen Fördermaßnahmen für nicht-traditionelle Landwirtschaftsexporte aus Afrika, der Karibik und dem Pazifischen Raum am stärksten die Frauen betreffen, da sie die Mehrzahl der Arbeitskräfte in diesem Bereich stellen. Das selbe gilt für das verarbeitende Gewerbe: Das Auslaufenlassen des Quotensystems der WTO-Vereinbarung zu Textilien wird diesen Sektor weiter liberalisieren, mit einem starken negativen Ergebnis für Frauen. Die Produktion wird sich in größere Länder verlagern, mit einem hohen Frauenüberschuss. Dies wird zu Lasten von Frauen in den am wenigsten entwickelten Ländern gehen, die von diesen Vereinbarungen stark abhängen.


Die Rolle der Frauen in der Wirtschaft: Fakten und Zahlen

• Frauen stellen weltweit 40 Prozent aller Arbeitskräfte und dieser Prozentsatz ist ständig gestiegen. Der stärkste Zuwachs in den letzten 20 Jahren ist in Südamerika zu verzeichnen (von 26 auf 45 Prozent), während die niedrigsten Raten in Nordafrika und Westasien zu beobachten sind. Hier sind nur ein Drittel aller Frauen wirtschaftlich aktiv. Frauen verdienen noch immer ein Drittel weniger als Männer. Das Lohngefälle reicht von 52 Prozent in Botswana über 75 Prozent in Ägypten, 81 Prozent in Costa Rica bis zu 86 Prozent in Sri Lanka.

• Frauen leisten doppelt so häufig unbezahlte Arbeit wie Männer und sorgen für 65 Prozent der Nahrungsmittelproduktion. Sie stellen die Mehrheit aller Teilzeitkräfte und der Beschäftigten im informellen Sektor. Außerdem sind sie häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen, was aber je nach Region stark schwankt.

• 60 Prozent der 550 Millionen armen Arbeitskräfte sind Frauen

• Fast die Hälfte aller HIV/Aids-Infizierten sind Frauen.

• Die Müttersterblichkeitsrate steigt. In einigen armen Ländern beträgt sie 1300 Tote pro 100.000 Lebendgeburten.

Quelle: UNCTAD, Weltbank



Handel und Armut

Armut ist die Herausforderung unserer Zeit. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung, rund 2,8 Milliarden Menschen, müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Mehr als eine Milliarde lebt in extremer Armut und hat weniger als einen Dollar zur Verfügung.
Im Jahr 2000 haben sich die UNO-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Diese große Aufgabe, ein Eckpfeiler der Millennium-Entwicklungsziele, kann erreicht werden, wenn die weltweiten Finanz- und Wirtschaftssysteme besser funktionieren.

Armut und extreme Arbeit sind vor allem in den 50 ärmsten Ländern zu beobachten, die die UNO als die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) bezeichnet. In diesen Ländern – 34 von ihnen befinden sich in Afrika südlich der Shara – steigt die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben.

Der Welthandel hat jedes Jahr um fast 5 Prozent zugenommen. Die Profite konzentrieren sich aber nur auf einige Nationen. Über 80 Prozent der weltweiten Exporte werden von nur zehn Ländern produziert. Der Großteil des erwirtschafteten Wohlstandes fließt in reiche Länder. Nur drei Cents eines erwirtschafteten Dollars fließen der Weltbank zufolge in ärmere Länder, in denen 40 Prozent aller Menschen leben.

Die Vorteile des Handels sind in den meisten Entwicklungsländern sehr begrenzt. Es gibt einige bemerkenswerte Ausnahmen, zum Beispiel den Handelsboom in China, wo die Rate der Menschen, die in extremer Armut leben, seit 1981 von 64 Prozent auf 17 Prozent gesunken ist. Zu nennen ist auch die Entwicklung in einigen südostasiatischen Staaten. Die größten Wirtschaftssysteme, die kein Erdöl exportieren, waren 2001 China und Mexiko, gefolgt von Malaysia, Thailand, Brasilien, Indonesien und Indien. Weitaus schlechter sah es für die kleineren Ökonomien aus: Afrika und andere LDCs erzeugten 0,62 Prozent des Welthandels und sorgten zusammen für 0,58 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. In 15 Ländern Lateinamerikas und der Karibik leben nach Angaben der Weltbank mehr als 25 Prozent der Menschen in Armut.


Der Armutsfalle entkommen

Es bleibt problematisch, einen Weg aus der Armutsfalle zu finden und Handel in ein höheres Einkommen zu überführen. Die Ausweitung des Handels sorgt nicht automatisch für eine Verringerung der Armut. Was zählt ist, ob Handel zu Wirtschaftswachstum führt. Einige Handelsarten erreichen das und sorgen für weitere Ressourcen, die für die Armutsbekämpfung genutzt werden können.
Die Art von Gütern, die hergestellt werden, ist bei der Armutsbekämpfung noch wichtiger als die Liberalisierung des Handels. Historisch gesehen unterliegen Hauptprodukte und Rohstoffe wie Mineralien oder Nutzpflanzen starken Preisschwankungen. Die LDCs haben deshalb kein nachhaltiges Einkommen durch ihre Exporte gegenüber denjenigen Ländern, die verarbeitete Produkte herstellen.

Um jedoch solche Waren herzustellen, benötigen Länder Investitionen, die es ermöglichen, Produktionsstätten zu errichten. In Ländern, in denen Investitionen niedrig sind, kann ausländisches Kapital, vor allem Entwicklungshilfe und Direktinvestiitionen, für die nötigen Technologien und Fähigkeiten sorgen. Produktionskapazitäten werden steigen, wo Güter transportiert und Informationen übermittelt werden können. Moderne Straßen, Häfen, Eisenbahnverbindungen und Telekommunikationseinrichtungen sorgen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Aber während die Entwicklungshilfe im sozialen Bereich steigt, sinkt sie für den Bereich der Produktionskapazitäten.


Exporte

Selbst Entwicklungsländer mit einem diversifizierten Angebot wettbewerbsfähiger Waren haben mit Handelsbarrieren zu kämpfen. Zölle reichen von 14 Prozent für landwirtschaftliche Güter und acht Prozent für arbeitsintensive Waren bis zu drei Prozent für Industriegüter. Ein weiteres Hindernis sind die strengen Standards zu Umwelt und Gesundheit, die die Industrieländer einer Reihe von Entwicklungsländern auferlegt haben. Ein bekanntes Beispiel ist eine Unternehmerin in Mauretanien, die trotz großer Anstrengungen und Investitionen ihren Kamel-Käse wegen strikter Regulierungen nicht in die Europäische Union exportierten kann.

Subventionen, die reiche Länder ihren einheimischen Produzenten zahlen, sind eine weitere Handelsbarriere. Sie sorgen dafür, dass Exporte aus Entwicklungsländern auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Ein Beispiel hierfür ist Baumwolle, deren Preis auf dem Weltmarkt um 15 Prozent dieses Jahr gefallen ist. Subventionen reicher Länder an einheimische Produzenten mit einem Gesamtvolumen von vier Milliarden Dollar sorgten dafür, dass brasilianische Baumwollpflanzer im Jahr 2001 600 Millionen Dollar verloren haben. In Afrika, wo 15 Millionen Menschen in der Baumwollproduktion arbeiten, verlieren die Hersteller jährlich 250 Millionen Dollar aufgrund von Subventionen der USA. Dort kontrollieren dem Wall Street Journal zufolge 25.000 Hersteller mehr als 40 Prozent der weltweiten Baumwoll-Exporte. Am 27. April 2004 entschied die WTO, dass die Subventionen der USA die Preise auf dem Weltmarkt verzerren. Die Entscheidung beruht auf einer Beschwerde Brasiliens. Die USA werden dagegen Berufung einlegen.



Globalisierung und Entwicklungsstrategien

Die Globalisierung hat die Versprechen für mehr Wachstum, mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne und größeren Wohlstand bisher nicht eingelöst, die von den Fürsprechern des freien Handels in Aussicht gestellt worden waren. Bei einem langsamen und schwankenden Wachstum der Weltwirtschaft sind die Vorteile der Globalisierung sehr ungleich auf verschiedene Länder verteilt. Die Einkommensunterschiede zwischen den Reichen und Armen sind größer geworden und die Armut ist in den Entwicklungsländern gestiegen. Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Industrieländern war Anfang der neunziger Jahre 17 Mal höher als in den Entwicklungsländern und dieses Verhältnis stieg im Jar 2000 auf 20:1.

Ein deutliches Beispiel, wie das Versprechen der Liberalisierung nicht durch die Realität eingelöst worden ist, zeigt sich in Mexiko. Dort sind seit 1994 weitreichende Reformen im Handelsbereich unternommen wurden. In den ersten zehn Jahren seit Bestehen der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) war der Zuwachs an Arbeitsplätzen in Mexiko bescheiden und fast 30 Prozent aller Jobs in Montagefabriken, die in den neunziger Jahren geschaffen worden waren, wurden abgebaut. Die Reallöhne der meisten Arbeiter sind seit Bestehen der NAFTA niedriger. Das Carnegie Endowment for International Peace kommt zu dem Schluss: „Die Ungleichheit hat sich verstärkt und Rückgänge in der mexikanischen Landwirtschaft haben zusätzlich dafür gesorgt, dass die arme Landbevölkerung die Hauptlast für die Angleichungen an die NAFTA tragen muss.“ UNCTAD –Generalsekretär Rubens Ricupero fügt hinzu: „Der Handel alleine genügt nicht um eine langfristige Entwicklung zu sichern.“

Entwicklungsstrategien müssen angepasst werden, auf internationaler und nationaler Ebene. Auf internationaler Ebene zeigt sich, dass äußere Einflüsse der internationalen Handels- und Finanzsysteme, wie unbeständige Kapitalflüsse oder schwankende Preise für Gebrauchsgüter, Krisen und Rückschläge in den Entwicklungsländern verursachen können. Diese Krisen sorgen widerum für ökonomische Instabilität und verhindern Wachstum. Die Verschuldung der Entwicklungsländer ist dann ein Risiko für das internationale Finanzsystem. Auf nationaler Ebene sind die Ergebnisse von Wirtschaftsreformen in den neunziger Jahren sehr unterschiedlich: Das Wirtschaftswachstum verlief allgemein sehr schleppend. Privatiserung und Liebralisierung haben zu einer größeren Konzentration in vielen Wirtschaftsbereichen geführt.

Ein allgemeingültiges Rezept für die Entwicklung gerät in den Hintergrund gegenüber der Notwendigkeit, die Unterschiede einzelner Länder anzuerkennen. Der Staat an sich besitzt eine entscheidende Rolle, um Investitionen des privaten Sektors zu fördern und für Wachstum zu sorgen.


Steigender Handel aber langsames Wachstum


Der Anteil der Entwickungsländer am Welthandel ist von 24 Prozent im Jahr 1990 auf 32 Prozent im Jahr 2000 gestiegen. Das Wachstum bei den Exporten ist jedoch auf einige Länder beschränkt: Ostasien sorgt für mehr als 75 Prozent aller Exporte von Gebrauchsgütern aus den Entwicklungsländern und einen großen Teil von Produkten der Hochtechnologie. Südasien und die afrikanischen Staaten südlich der Sahara hatten demgegenüber nur ein Wachstum von zwei Prozent zu verzeichnen. In den meisten Entwicklungsländern haben höhere Exporte nicht zu einem höheren Bruttoinlandsprodukt geführt. Besonders die ärmsten Ländern in Afrika sind immer noch stark vom Export von Gebrauchsgütern und Entwicklungshilfe abhängig und es ist kein besonders hohes Wachstum zu beobachten. Die Länder des Südens haben ihren Handel schneller liberalisisert, als die Industrieländer des Nordens. Dies hat zu steigenden Importkosten geführt, während die Höhe der Entwicklungshilfe sinkt.

Dies verstärkt nur die Misere der Länder, die bereits hoch verschuldet sind. In vielen Ländern übersteigen die Schuldverschreibungen die Einnahmen aus Exporten. Die Initiative für hochverschuldete arme Länder (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC-Initiative) zum Schuldenerlass ist ein wichtiger Schritt, der aber nicht ausreichen wird.

Viele Entwicklungsländer, besonders in Lateinamerika, sind mittlerweile abhängig von privaten Investitionen, um ihre Defizite zu finanzieren. Aber die Unsicherheit auf den internationalen Finanzmärkten und kurzfristige Kapitalströme in die Entwicklungsländer haben oft zu Problemen bei Zinssätzen und Wechselkursen geführt und stehen einem nachhaltigen Wachstum entgegen. Um Finanzkrisen in Entwicklungsländern zu verhindern, muss die internationale Gemeinschaft darauf achten, die Privatinvestitionen stabiler und gleichmäßiger zu gestalten. UNCTAD drängt darauf, ein System zu etablieren, durch das kurzfristige und spekulative Kapitalflüsse beobachtet und rechtzeitig Warnungen herausgegeben werden können.


Nationale Entwicklungsstrategien müssen überdacht werden

Es gibt eine breite Übereinstimmung, die Entwicklungsstrategien zu überdenken, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. Entwicklung zu fördern bedarf eines guten Geschäftsklimas sowie Ressourcen für soziale und wirtschaftliche Bedürfnisse. Deshalb ist auch eine stärkere Abstimmung zwischen nationalen und internationalen Strategien zu Handel und Entwicklung nötig. Die Finanz-, Währungs- und Technologiepolitik auf internationaler Ebene muss eine Umgebung schaffen, damit nationale Entwicklungsstrategien erfolgreich sein können. Deshalb ist die Abstimmung ein zentrales Thema während der kommenden UNCTAD-Konferenz. „Das Treffen in Sao Paulo soll die Abstimmung zwischen globalen Entwicklungen und nationalen Entwicklungsstrategien fördern und die Verbindungen zwischen Handelsbeziehungen und dem produzierendem Gewerbe betonen“, sagt UNCTAD-Generalsekretär Rubens Ricupero.

Die Erfahrungen erfolgreicher Entwicklungsländer sind ein Beispiel für funktionierende nationale Entwicklungsstrategien. Eine wichtige Erfahrung ist, dass ein rasches Wachstum und anhaltende Investitionen eine Änderung der wirtschaftlichen Struktur erzeugen können und die Produktivität steigen kann. Ebenso können steigende Investitionen nicht allein durch die Kräfte des Marktes und ausländische Direktinvestitionen erreicht werden. Der Staat muss eine aktive Rolle spielen. Staaten müssen Kredite gewähren und der Wirtschaft klare rechtliche Rahmenbedingungen bieten, Infrastruktur schaffen und ausgebildete Arbeitnehmer besitzen. Regionale Abkommen für den Handel und die Finanzwirtschaft sowie Verbesserungen der regionalen Infrastruktur können zu Wachstum führen und größere Märkte schaffen. So kann auch die Abhängigkeit von traditionellen Märkten gesenkt werden.


Die Herausforderungen

Globalisierung und Liberalisierung können kein Ersatz für inländische Anstrengungen zu mehr Wachstum sein. Eine umsichtige Integration in die Weltwirtschaft kann inländische Investoren und Produzenten fördern. Inländische Wirtschaftspolitik in den Entwicklungsländern – besonders in den Bereichen des Handels, der Investitionen und der Technologie, werden durch internationale Handels- und Kreditverpflichtungen behindert. Deshalb muss die Politik in den Entwicklungsländern mehr Flexibilität zeigen und dazu gebracht werden, mehr Effizienz zu erreichen.Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

UNCTAD Pressestelle
Telefon: +41 22 917 5828
[email protected]
www.unctadxi.org


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