Das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) hat einen neuen Bericht zu den Folgen der Feindseligkeiten gegen die Ukraine auf Minderjährige veröffentlicht. Bis Ende letzten Jahres wurden 1.614 Angriffe auf ukrainische Schulen registriert, die eine Reihe von Todesfällen, Verletzungen, Behinderungen und Familientrennungen zur Folge gehabt hätten, so OHCHR.
Propaganda-Übung
Kinder, die in den vier von Russland völkerrechtswidrig annektierten Regionen leben, sind nach Ansicht des UN-Menschenrechtsbüros besonders gefährdet.
„Die militärisch-patriotische Ausbildung hat Vorrang, und die Kinder sind der Kriegspropaganda ausgesetzt“, erklärte Liz Throssell vom UN-Menschenrechtsbüro vor Journalisten in Genf.
„Außerdem wird den Kindern der Zugang zum Unterricht in ukrainischer Sprache vollständig verwehrt und ihnen die russische Staatsbürgerschaft aufgezwungen“, so Throssell weiter.
Aus dem OHCHR-Bericht geht hervor, dass seit Februar 2022 nachweislich 669 Kinder getötet und 1.833 verletzt wurden, wobei die tatsächliche Zahl wahrscheinlich noch viel höher sei, so die Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros.
Laut OHCHR wurden mindestens 200 Kinder nach Russland oder in die besetzten Gebiete in der Ostukraine verschleppt – „Handlungen, die Kriegsverbrechen darstellen könnten“, betonte Throssell. Das UN-Menschenrechtsbüro habe aber keinen Zugang zu den von Russland besetzten Gebieten und könne deshalb das ganze Ausmaß solcher Verschleppungen nicht beurteilen.
Drastische Kriegserlebnisse
„Es ist klar, dass ukrainische Kinder eine Vielzahl drastischer Kriegserfahrungen gemacht haben, die alle schwerwiegende Auswirkungen haben – einige als Flüchtlinge in Europa, andere als direkte Opfer, die ständig von Bombardierungen bedroht sind, und viele, die den Zwangsgesetzen und der Politik der russischen Behörden in den besetzten Gebieten ausgesetzt sind“, sagte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk in einer Stellungnahme.
„Wie unser Bericht deutlich macht, sind die Anerkennung und Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen von entscheidender Bedeutung, um eine Zukunft zu gewährleisten, in der alle ukrainischen Kinder ihre Rechte, ihre Identität und ihre Sicherheit zurückgewinnen können, frei von den dauerhaften Folgen von Krieg und Besatzung“, fügte er hinzu.